Overstrained - curated by Lena Czermak

mit

Raphael Haider

Jana Kolbert

Marlene Posch

Daniel Stolzlederer

Thomas Supper

 

 

Eröffnung: 12.09.2020 / 17 Uhr

Ausstellungsdauer: 12.09. – 11.10.2020

 

Oftmals wird im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst jener unterstellt, Anspruch darauf zu erheben die Zukunft zu kennen oder diese dem Betrachter vorzuhalten. Vielmehr zeigt sie die Gegenwärtigkeit auf sowie ihre Vergänglichkeit und kreiert damit einhergehend eine richtungsweisende Ebnung für Veränderung und das Neue. Dieses zentrale Element manifestiert sich in einer Distanz, die den Betrachtern aktiv durch die Künstlerin auferlegt wird. Es hilft Gewohntes anzuzweifeln, neue Blickwinkel in Erwägung zu ziehen und die Realität zu hinterfragen.

Die Multimedia-Ausstellung overstrained vereint Kunstwerke der aufstrebenden Künstlerinnen und Künstler Raphael Haider, Jana Kolbert, Marlene Posch, Daniel Stolzlederer und Thomas Supper, die mit ihren Werken die Beziehung zwischen Material und Prozess evaluieren. Als Studentinnen und Studenten der transmedialen Klasse von Brigitte Kowanz an der Universität für Angewandte Kunst in Wien kommen sie im Kunstraum des KS-Room als Gegenwartsdiagnostiker zusammen und konzipieren eine Praxis der Kreativität und Kraft in der Kollaboration.

Physische sowie intellektuelle Einstiegspunkte in eine Ausstellung sind essenzielle Entitäten, die das Sichtfeld verändern und Sensibilität aktivieren. Besucherinnen und Besucher einer Ausstellung können Ideen assoziieren oder zumindest Resonanzen zwischen jenen herstellen. Insbesondere in Verbindung mit transmedialer Kunst kommt es nicht zu einer einsamen Kommunikation mit dem Medium. Diese sind eng miteinander verknüpft oder in ihre Einzelteile zerlegt. Sie sind unvollständig oder in ihrer Gänze bearbeitet. Sie wehren sich gegen kulturhistorische und kunsttheoretische Einteilung oder nutzen gezielt die Kollaboration mit jener. Transmediale Kunst ist in ihrer Praxis als auch Theorie grenzenverzerrend sowie auflösend und stagniert – allein durch das was sie ist- schlichtweg nie.

Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung overstrained nützen bewusst diese Energie mit ihren Werken und ihrem Schaffen. In dieser Ausstellung werden die Ursprünge des Zusammenwirkens thematisiert und sind zentrale Frage in der Untersuchung des Strapazierens von Materialien. Durch diese Methodik werden immer wieder neue Reize geweckt, die Auseinandersetzung mit dem Medium generieren und resultierend daraus kontinuierlich neue Verbindungselemente entdecken. Belastung, Verbindung und Bearbeitung von Materialien und Medien sowie die prozessuale Veränderung oder Instandhaltung appellieren zur Reflektion mit anderem, sich selbst und der Umwelt. Das ist beispielgebend für eine Künstlergeneration, die gegen die hyperventilierende Suche nach ständiger Veränderung und Erneuerung steht. Diese ist mit hochmodernen Praktiken und Ideen für Entschleunigung in der Gesellschaft verantwortlich und widersetzt sich dem Stillstand. Die beschriebenen Prozesse sind nicht entgegengesetzt – sondern logische Konsequenz von transmedialer Kunst.

 

Jana Kolbert setzt sich mit der Überarbeitung bereits abgeschlossener Werke in einer Vielzahl an Herangehensweisen auseinander. Das Projekt verhandelt die Grenzen der fertigen Arbeit durch Prozesse der Übermalung, Durchdruck, Faltung und dem Zeigen der Innenseite. Der Konflikt zwischen Zeigen und Verdecken des Vergangenen spiegelt sich auf der Bildfläche wieder und ist eine Beschäftigung mit persönlicher Identität und deren unweigerliche Veränderung im Laufe der Zeit.

Die Arbeiten von Thomas Supper demonstrieren den willentlichen Impuls des Verfremdens, der aus profunden technischen Prozessen eine malerische Geste macht. Der Einsatz von Fett beleidigt und irritiert das Material, wie beispielsweise Titan oder Edelstahl, sodass eine Reflektion-, sowie Projektionsfläche für Betrachter und dessen omnipräsente Umwelt geschaffen wird. Es entsteht eine Innige Verbindung von Perspektive und Anordnung, ein ewiges Zwischenspiel aus Präsenz und Außenwelt.

Die kollaborative Kunst von Raphael Haider und Marlene Posch arbeitet mit der Verschränkung von Material und teilt ein Interesse an der Deformation von jenen. Die Veränderung und das Kollabieren des Mediums bildet eine Schnittstelle ihrer Zusammenarbeit bei der Reaktion und das Ineinandergreifen der Materialien untersucht wird. Beispielsweise die Übertragung des Lichts auf die metallische Oberfläche aber auch die Frage nach der Kräfteverteilung zwischen diesen.

Der Klangkünstler, Musiker und Performancekünstler Daniel Stolzlederer bat die Teilnehmenden Künstler dieser Ausstellung mit ihren Kunstwerken zu interagieren und arrangiert und bearbeitet die dabei entstehenden Geräusche zu einer 4-Kanal Audioinstallation. Durch die tonale Überstrapazierung werden Sounds dumpfer, verzerrter, länger, kürzer, fremder, abstoßender, bis das ursprüngliche Material vergessen ist. Die eigenhändige Erstellung und Verformung von bereits vorhandenen Klangentitäten beschreibt Stolzlederer als skulpturalen freien Prozess der die Basis für seine Soundinstallationen und Konzeptalben ist.

kuratiert von Lena Czermak